#Kiel hilft Flüchtlingen

(v.l. Barbara Naziri, Ilona Pagel, Willie Benzen & Stephanie Mattner)
(v.l. Barbara Naziri, Ilona Pagel, Willie Benzen & Stephanie Mattner)

#Lesung von "Dichter Für Flüchtlinge" in Kiel

16.01.2016 - 20 AutorInnen lesen für den guten Zweck


"Kiel hilft Flüchtlingen" – eine Initiative mit vielen Freiwilligen, die tatkräftig und unermüdlich den hilfsbedürftigen und traumatisierten Menschen helfen. Eine dieser Helferinnen, ist Ilona Pagel. Die Dichterin lebt in Kiel und setzt sich für die Initiative ein. Deshalb war es selbstverständlich, dass sie zusammen mit 20 AutorInnen zur Lesung "Dichter für Flüchtlinge" in Kiel eingeladen wurde.

Wie kam es zu Deinem Engagement für "Kiel hilft Flüchtlingen?"

Ilona Pagel: "Als Ende August "Kiel hilft Flüchtlingen" in FB gegründet wurde, war es für mich wie ein Befreiungsschlag. Vorher hatte ich das Gefühl ich bin ohnmächtig gegenüber all dem Leid, Hunger und den Kriegen. Plötzlich fühlte ich mich in einer Gruppe Gleichgesinnter Menschen, Menschen die aus ihrer Starre erwachen und anpacken mit all ihrer Menschlichkeit. Ich war dabei als wir das Erstaufnahmelager mit Möbel ausstatteten, Spenden in Unmengen entgegen nahmen, Transitflüchtlinge am Schwedenkai betreuten und für ihr Wohl in der Notunterkunft sorgten. Und ich fühlte mich gut dabei. Ich sah nicht nur das Leid der Flüchtenden, ich sah und sehe auch unsere/meine Verantwortung. Und ich habe die vielen Menschen kennen lernen dürfen, die genauso denken und fühlen wie ich. Denen die Politik in diesen Zeiten zweitrangig ist, die einfach da sind, weil Menschen ihre Hilfe brauchen."

War es für Dich als engagierte Dichterin daher selbstverständlich an dieser Lesung teilzunehmen?

Ilona Pagel: "Es war nur folgerichtig mich an der Ausschreibung für #DichterfuerFluechtlinge zu beteiligen. Und genauso selbstverständlich war es auch mich an der Lesung zu beteiligen. Nicht nur weil es um meine Initiative ging und für "Kiel hilft Flüchtlinge" inzwischen auch Geld wichtig ist. Wir wollen doch noch lange diese Menschen begleiten und sie integrieren. Wir möchten ihnen ein Stück Heimat zurück geben."

Was war Dein persönliches Highlight des Nachmittages?

Ilona Pagel: "Die Geschichte von Barbara Naziri hat mich ganz tief bewegt. Hier ging es um die Macht der Männer und die Unterdrückung der Frau. Wir können so froh sein, das wir dieses Kapitel in der Geschichte Deutschlands hinter uns gelassen haben."

ausgestellt bei der Lesung: Flüchtlingskinder malen und basteln
ausgestellt bei der Lesung: Flüchtlingskinder malen und basteln
Kevin Hattenberg bei der Lesung
Kevin Hattenberg bei der Lesung

Zeitgleich mit der Idee Dichterstimmen in einem Buch festzuhalten, reifte bei Veranstalter Willie Benzen der Wunsch eine Lesung zu organisieren. Daher war die Entscheidung schnell gefasst, hier ein Stück weit zusammen zu wirken. So waren einige AutorInnen des Bandes „TrümmerSeele“ vor Ort. Unter anderem die Kieler Dichter - Kevin und Patrick Hattenberg, die zusammen mit der Herausgeberin Stephanie Mattner, einige Gedichte aus dem Buch vorstellten.

Wann kam Dir die Idee für diese Veranstaltung?

Willie Benzen: "Bei mir war schon lange die Idee vorhanden im Winter eine Benefiz Lesung zu machen. Eigentlich wollte ich das schon im letzten Winter, war aber kaum von meiner letzten beruflichen Einsatzbasis, das Ruhrgebiet, Dortmund genau, wieder in Kiel, wurde ich nach Tirol beordert. Das sah ich dann die aufkommende Flüchtlingsproblematik und schwenkte dann um. Ich fing schon bald an meine Gedanken zuordnen. Als ich dann Mitte Oktober nach Kiel zurückkam, war die Flüchtlingsproblematik inzwischen sehr stark gewachsen. Gerade, als ich die ersten Texte für das Konzept entwarf, sah ich den Schreibaufruf für „TrümmerSeele“ und fing sofort damit an es für mich zu verbinden. Dann setzte ich mich mit dem Oberbürgermeister Ulf Kämpfer über Facebook in Verbindung, er war einer der Politiker im Lande, mit denen ich bislang keinen Kontakt hatte. Eine Stunde später stand fest, die Stadt unterstützt das Projekt. Am gleichen Abend schrieb ich das Kieler Kulturamt an, das mir drei Termine zur Auswahl gab, ich wollte spätestens Ende Januar die Veranstaltung vollbracht haben. So nahm ich den 16. Januar. "

Was nimmst Du für Dich an Erfahrung mit aus der Veranstaltung?

Willie Benzen: "Wichtig ist es mir gewesen, die Veranstaltung möglichst schnell zu machen, weil jetzt das Bewusstsein für die Problematik besteht. Außerdem wird aktuell an allen Ecken Geld benötig. Die Zusammenarbeit mit der Stadt, den AutorInnen und SternenBlick war sehr gut. Mit „Kiel hilft Flüchtlingen“ nahm ich erst Kontakt auf, als alles stand. Die wichtigste Erfahrung war, neben der geleisteten Hilfe, dass ich wieder weiß, zu was ich fähig bin. Mir war ganz wichtig, dass ich alle Arbeiten allein schaffe. Die Unterstützung wirklich nur eine Unterstützung ist und mir nicht die Arbeiten komplett abnimmt. Nur so konnte die Veranstaltung für mich „rund“ werden. Für künftige Veranstaltungen nehme ich mir aber vor eher nach dem Motto „weniger ist mehr“ zu handeln, damit nebenbei auch ein reger Austausch aller Beteiligten stattfinden kann."

Neben den AutorInnen, die sich bei der Lesung kennenlernen konnten und dem ins Bewusstsein tragen, der wertvollen Arbeit freiwilliger HelferInnen von Flüchtlingsinitiativen, freut sich "Kiel hilft Flüchltingen" über knapp 200 Euro an Spendeneinnahmen, die aus der Lesung hervorgingen.

    Bilder © Stephanie Mattner
Bilder © Stephanie Mattner

Danke an Willie Benzen für die Organisation der Lesung in Kiel und allen AutorInnen für den schönen Nachmittag, sowie Ilona Pagel und allen HelferInnen von "Kiel hilft Flüchtlingen" für ihr menschliches Handeln.
Mehr über die Initiative findet ihr hier: kiel-hilft-fluechtlingen.de