#Gedichtbegegnung 3

J ü r g e n   B r a n d t n e r


"Wahrscheinlich nennt man jemanden, der Schauspieler, Regisseur, Schauspiellehrer, Rezitator und Vorleser, Text-Arrangeur und Autor ist, auch heute noch der Einfachheit halber Künstler. Ich nenne mich noch einfacher Geschichtenerzähler und empfand es deshalb 2011, während einer Probenpause am Theater, plötzlich sehr naheliegend, dass ich Geschichten auch mit Gedichten erzählen könnte.
Und seitdem reime ich, dies vor allem, beinahe jeden Tag, mit dem Zwischenergebnis eines kleinen Gedicht-Bändchens mit schwarzhumoriger Lyrik: "Meine Tante im Keller".


#Jürgen Brandtner im Interview

über sein Gedicht: Die Kinder ihr Stück


Was hat Dich bewogen an der Ausschreibung zu „TrümmerSeele“ teilzunehmen?

Brandtner: "Ich erfuhr von diesem Projekt durch eine Facebook-Freundin. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon seit etwa einem Jahr in unterschiedlicher Weise mit diesem Thema - vom Schreibtisch bis in die Schauspielschule - umging, war es ein schnell gefasster Entschluss: Ein äußerst wichtiges Thema im Vordergrund, eine Anthologie, also ein künstlerisches Gemeinschaftsprojekt als Ergebnis - das war ganz mein Ding. - Und ich freue mich sehr, dass es geklappt hat, dass ich dabei bin."

Ist Dein Gedicht extra für die Ausschreibung entstanden? Falls nein, erzähle uns gern, wann und in welchem Kontext Du es geschrieben hast.

Brandtner: "Mein Gedicht entstand kurze Zeit vorher. Ich hatte mich schon seit einiger Zeit durchs Internet gelesen, Texte von Flüchtlingen, aktuell, historisch, Prosatexte und Lyrik, soweit man sie in Übersetzung vorfand. Und wurde tief davon berührt - sowie auch erinnert an die Schilderungen meiner im 2. Weltkrieg aus ihrer Heimat geflohenen Eltern. Irgendwann machte sich meine Fantasie selbständig, nahm Worte, nahm Bilder, nahm Erinnerungen, nahm aktuelle Ereignisse, und verwob alles zu 'Die Kinder ihr Stück'."

Vertonung des Gedichtes "Die Kinder ihr Stück"

Wie hast Du Dein Gedicht (inhaltlich) konkret erstellt? Welche Gedanken hattest Du dabei im Hinterkopf? Wie hast Du Dich in die Thematik eingefühlt? Was war der Initial-Funke, der Deine Worte hat fließen lassen?

Brandtner: "Dies ist im Wesentlichen ja schon in den vorigen Antworten beschrieben. Das Thema lebte und arbeitete schon länger in mir. Täglich kam neue Nahrung für meine Gedanken hinzu. Und irgendwann formten sich die Worte. Erst in einem, dann in einem zweiten Gedicht...(weiter in der nächsten Antwort)"

Hat Dein Gedicht mehrere Überarbeitungen zur finalen Version erfahren? Wie (auch emotional) hart war für Dich die Arbeit daran?

Brandtner: "Dann entstand der Gedanke bei mir, dass die beiden vor mir liegenden Gedichte sich ja aus derselben Idee gespeist hatten - und ich sie deshalb in einem einzigen Gedicht verschränken wollte. So überarbeitete ich jedes der beiden Gedichte so lange, bis man jedes weiterhin für sich, aber auch beide ineinander verschränkt lesen konnte. Deshalb auch der Abdruck mit links- und rechtsbündig.
Emotional hart, im Sinne von „weh tun“, war die Arbeit selbst nicht; aber die „Misere“ an sich empfinde ich hart und unerträglich. Und es wird täglich, mit jeder (politischen) Logorrhö, unerträglicher."

Was bedeutet Dir Lyrik/Poesie und denkst Du, dass die verknappte Sprachform eines Gedichtes der Flüchtlingsthematik gerecht werden kann?

Brandtner: "Lyrik und Poesie, als Ausdrucksformen der Sprache, bedeuten mir als Sprachliebhaber, Sprach-Liebhaber und Sprach-lieb-Haber sehr, sehr viel. Auch wenn die Schule sie mir vor vielen Jahren beinahe vergällt hätte… und jetzt komme ich auf einen für mich besonderen Punkt bei diesem Projekt… Konstantin Wecker, der in „TrümmerSeele“ dabei ist, hat sie für mich zum brodelnden Leben erweckt. Mit 15 Jahren hörte ich sein „Genug ist nicht genug“ und ließ mich fortan gerne hineinziehen in all seine lyrischen Welten. Und noch heute höre und lese ich seine Lyrik mit größtem Vergnügen. Somit ist der zweite Teil der Frage wohl auch beantwortet: Ja!"


Danke an Jürgen Brandtner für den Einblick in die Entstehung des Gedichtes "Die Kinder ihr Stück" aus dem Buch "TrümmerSeele". Mehr über den Dichter bzw. Künstler erfahrt Ihr auf seiner Homepage oder in seinem Lyrik-Blog.