#Im Interview - Stoned Poets

P e e r   d e   B e e r


Mit seinem einmaligen Sendungskonzept "Stoned Poets" wurde der Radiomoderator Peer de Beer 2015 bereits mit dem Radioschorch ausgezeichnet. Poetische Themen werden hier vorgetragen, mit passender Musik unterlegt und kritisch hinterfragt. Wir haben uns daher über die Gelegenheit gefreut, das Buch "TrümmerSeele" mit einigen Autoren hier würdevoll zu präsentieren.
Im Interview verrät uns Peer de Beer, wie er die Arbeit an der Sendung erlebt hat und warum ihm dieses Thema äußerst wichtig ist.


#Peer de beer im Interview

über seine Sondersendung zu "TrümmerSeele"


Bereits Frühzeitig im Entstehungsprozess um das Buch "TrümmerSeele", hast du uns deine Mithilfe angeboten, um die Botschaft der Aktion #DichterfuerFluechtlinge mit Hilfe deiner Radiosendung weiter in die Welt zu senden. Warum ist dir das Thema wichtig?

Peer: "Weil wir in einer Zeit der Flucht und Vertreibung leben. Es werden wieder Menschen geopfert für den Wahn einiger weniger. "

Viele Autoren und Autorinnen sind deinem Aufruf gefolgt und haben ihren Gedichtbeitrag selbst eingesprochen. Hättest du mit so vielen Beiträgen gerechnet?

Peer: "Es waren wohl ca. 30, die den Mut hatten, eigene Texte einzusprechen. Das hat mich doch überrascht, denn die Dichter sind meist ein scheues Völkchen. Das zeigt zum einen das große Vertrauen in die Aktion und deren Initiatorin, Stephanie Mattner und in ihr Kind, die SternenBlick-Reihe. Aber es macht auch sehr deutlich, wie stark das Thema Flucht, Vertreibung und die damit verbundenen Ängste und Traumata jeden einzelnen betrifft und bewegt."

Du kanntest vorab das gedruckte Buch "TrümmerSeele". Wie war es für dich, als du zum ersten Mal die eingesandten Audiodateien gehört hast?

Peer: "Spannend, weil sie so vieschichtig und vielfältig waren, sprachlich wie inhaltlich. Es ist etwas völlig anderes, Gedichte zu lesen, oder sie von den AutorInnen selbst gelesen zu hören. Gerade weil sie keine professionellen Sprecher sind, gibt ihnen das große zusätzliche Kraft und Tiefe, die aus der Authenzität kommt, und die berührt und bewegt."

In deiner Radiosendung "Stoned Poets" hören wir immer wieder DichterInnen, die ihre Texte vortragen. Was macht für dich den Reiz aus, den Dichtern in deiner Sendung eine Plattform der Entfaltung zu geben? Welchen Vorzug hat für dich das gesprochene Wort gegenüber dem gedruckten?

Peer: "Das gesprochene Wort kann unmittelbar mehrere verschiedene Ebenen im Hörer zum Klingen bringen, insbesondere in Verbindung mit einer kreativ darauf abgestimmten Musikauswahl. Nicht umsonst lieben wir Lieder und Songs: sie sind ja nichts anderes als mehr oder weniger gut vertonte Gedichte. Und ich hoffe, dass diese Erfahrung die Hörer dazu anregt, dem geschriebenen Wort und den eigenen inneren Klangwelten und Erfahrungsebenen nachzuspüren. Ich glaube, dass es zudem ein wichtiger Schritt für jeden schreibenden Menschen ist, das eigene Geschriebene zu sprechen, zu hören und zu teilen und daran zu wachsen als AutorIn und als Mensch."

Mit der 1 stündigen Sendung, die 22 Texte präsentiert, schaffst du durch neuer Anordnung und musikalischer Untermalung eine eigene Interpretation des Buches. Wie hart war die Arbeit an der Sendung (inkl. Auswahl der passenden Musik und finalen Anordnung der Beiträge)?

Peer: "Das lässt sich vorher nie so genau sagen, wie lange es braucht. Zwei Nachtschichten sind es in der Regel. Aber diesmal ging es besonders leicht, ich musste es eigentlich nur noch zusammenfügen und etwas bearbeiten, und die einzelnen Teile sind mir einfach so zugeflossen. Hart ist es eigentlich nie: es ist ein schöpferischer Prozess, die Sendungen sind ja nicht genau geplant und vorab konstruiert, sondern entstehen erst beim Arbeiten. Und kreatives Arbeiten kann nicht "hart" sein, sonst würde ich etwas falsch machen - es macht in erster Linie Freude, etwas zu erschaffen, dass so vorher nicht da war und dann aus sich selbst heraus ein Eigenleben entfaltet."

"TrümmerSeele" beleuchtet mit dem Thema "Flucht" ein sehr zeitaktuelles, scheinbar kontroverses und auch (emotional) hartes Thema. Wie zufrieden bist du mit deiner Sendung?

Peer: "Die Sendung ist ja noch nicht einmal über den Äther gegangen, aber es gab die Möglichkeit, sie on demand vorzuhören, und sie ist schon jetzt eine der meistgehörten Sendungen der Stoned Poets - das macht natürlich froh und zeigt wohl auch, dass sie funktioniert, dass ihre Eigensprache verstanden und aufgenommen wird. Das ist schön und macht auch ein bisschen stolz, natürlich. Ich entwickle mich ja auch weiter, und in jede neue Sendung fließen die Erfahrungen der anderen Sendungen fruchtbringend mit ein. Was mir an dieser Sendung besonders gefällt, ist die Vielfalt der Stimmen, inhaltlich wie akustisch, die ein besonderes Hörerlebnis entstehen lassen, dass sich billigen Pauschalisierungen konsequent verweigert, und gerade deswegen, so wage ich zu behaupten, kaum jemanden unberührt lassen wird und lässt. Und will das nicht alle Dichtung? Im Menschen, dem Hörer oder Leser selbst zum Klingen gebracht werden?"

Stoned Poets Sendung zum Buch "TrümmerSeele"

Diese Autoren sind mit ihren Gedichten aus "TrümmerSeele"
in der Sendung vertreten (nach Reihenfolge):

Carina Blumenroth, Aron Boks, Ralph Bruse, Magdalena Ecker, Ephraim K.,
Hannelore Furch, Gnothiseauton, Angelika Groß, Eva Gruber, Jennifer Hilgert,
Greta Ipfelkofer, Dirk Juschkat, Susann Kraft, Mirani Meschkat, Michael Pilath,
Projekt wort:rausch, Ben Kretlow, Inta Rose, Sylvia Sabrowski, Christiane Schwarze,
Sandy Seeber und Stephanie Mattner.


Danke an Peer de Beer für den Einblick in die Entstehung seiner Sondersendung zum Buch "TrümmerSeele" und natürlich für diese gelungene Radioversion.
Wie Peer de Beer zu seiner inzwischen prämierten Salzburger Radiosendung kam, könnt ihr in unserem Interview mit ihm auf der SternenBlick-Seite nachlesen.
Verpasst nicht die anderen Sendungsmitschnitte dieser stets einmaligen Kompositionen im Archiv zur Sendung oder die Sendung live an jedem 1. Samstag im Monat um 20 Uhr auf Radiofabrik.at.