#Gedichtbegegnung 5

C h r i s t i a n e   S c h w a r z e

"Meine Hand schreibt auf, was die Seele ihr zuflüstert.
An die Öffentlichkeit gehe ich mit meinen Texten seit 1997. Inzwischen kann ich auf eine Reihe von Literaturpreisen zurückblicken. Aktuell erhielt ich gerade den ersten Preis im Rahmen des Wettbewerbes Politische Lyrik 2016 – Du sollst kein unbeteiligter Zuschauer sein.
Meine künstlerische Liebe gilt der Verschmelzung von Literatur und Musik. Ich finde, der Wortinhalt wird über die gefühlsmäßige Verarbeitung von Musik in besonderer Weise transportiert und kann somit noch intensiver erlebt werden.
Deshalb werden meine Werke der Öffentlichkeit stets musikalisch inszeniert präsentiert.
Zusammen mit der Komponistin & Multiinstrumentalistin Eva Batt bilde ich seit 15 Jahren das Duo TonSatz. Mit unseren musikalisch inszenierten Lesungen schlagen wir eine Brücke zwischen künstlerischem Anspruch und gesellschaftlichem Engagement.
Wir möchten sozialkritische Themen nachdenklich auf den Punkt bringen und unmissverständlich Stellung beziehen, gegen eine 'Gesellschaft, die an sich selbst erfriert'."


#Christiane Schwarze im Interview

über ihr Gedicht: Unter den Kanaldeckeln


Was hat Dich bewogen an der Ausschreibung zu „TrümmerSeele“ teilzunehmen?

Schwarze: "Der Eindruck, dass die Intention der InitiatorInnen mit unseren Überzeugungen übereinstimmt."

Ist Dein Gedicht extra für die Ausschreibung entstanden? Falls nein, erzähle uns gern, wann und in welchem Kontext Du es geschrieben hast.

Schwarze: "Ich schrieb es bereits 2004.
„Amnesty International Österreich“ und die „Interventionsstelle Salzburg“ hatten gemeinsam dazu aufgerufen, Gedichte einzureichen zum Thema "Gewalt gegen Frauen – nicht mit uns".
Dies geschah im Rahmen der internationalen Kampagne für die Anerkennung von Frauenrechten als Menschenrechte.
Jährlich machen weltweit vom 25. November bis 10. Dezember Fraueneinrichtungen in Form verschiedener Aktivitäten auf die Bedrohung von Frauen durch Gewalt von Männern aufmerksam.

Obwohl es damals allgemein um das Thema „Gewalt gegen Frauen“ ging, wollte ich die besondere Situation von Frauen / Mädchen auf der Flucht in den Blickpunkt rücken.
Es freute mich, dass „Unter den Kanaldeckeln“ zu den ausgewählten „besten Werken“ gehörte.
Eva Batt vertonte dieses Gedicht dann allerdings erst Anfang 2016, explizit für die geplante Radiosendung zum Buch "TrümmerSeele" bei Stoned Poets. "

Vertonung des Gedichtes "Unter den Kanaldeckeln"

Wie hast Du Dein Gedicht (inhaltlich) konkret erstellt? Welche Gedanken hattest Du dabei im Hinterkopf? Wie hast Du Dich in die Thematik eingefühlt? Was war der Initial-Funke, der Deine Worte hat fließen lassen?

Schwarze: "Mein Gefühl war – und ist es noch heute – eine Mischung aus Bestürzung und Wut. Bestürzung über das Leiden von Frauen und Mädchen. Wut auf die Profiteure dieser Verbrechen."

Hat Dein Gedicht mehrere Überarbeitungen zur finalen Version erfahren? Wie (auch emotional) hart war für Dich die Arbeit daran?

Schwarze: "Jeder Text wird von mir mehrfach lektoriert. Gerade bei Gedichten kommt es auf jedes Wort, jeden Gedankenstrich an. Insbesondere aber auf das, was zwischen den Zeilen gesagt wird!
Dichten ähnelt in gewisser Weise dem Erschaffen einer Skulptur.
Da gibt es zu Beginn einen „genialen“ Wurf. Und dann beginnt die Arbeit des Feinschliffs. In jedem Durchgang muss das „Schleifpapier“ noch feiner sein.
Jeder „Wurf“ ist eine große emotionale Anstrengung, denn er ist ein Stück meiner eigenen Seele. Das Lektorieren ist hingegen dem Bestreben geschuldet, bestmöglichstes „Handwerk“ abzuliefern. Für mich gehören Herzblut und harte Handwerksarbeit für die Erschaffung eines Kunstwerkes untrennbar zusammen."

Was bedeutet Dir Lyrik/Poesie und denkst Du, dass die verknappte Sprachform eines Gedichtes der Flüchtlingsthematik gerecht werden kann?

Schwarze: "Meiner Meinung nach kann Lyrik jedem Thema gerecht werden. – Ob Alltagsereignisse, Naturbegegnung, Liebesempfindung, menschliches Leid, politisches Unrecht.
Ein gutes Gedicht spiegelt Innen- und Außenwelten, berührt Intellekt und Gefühl. Für mich ist das Kriterium eines gelungenen Gedichtes, dass es sich in einen Widerhaken verwandelt, der sich in Herz und Hirn der Lesenden festsetzt und dort weiterwirkt."


Danke an Christiane Schwarze für den Einblick in die Entstehung des Gedichtes "Unter den Kanaldeckeln" aus dem Buch "TrümmerSeele" und auch ein Dank an Eva Batt für die musikalische Rahmung des vertonten Textes.
Mehr über die Dichterin erfahrt ihr auf ihrer Homepage.